El Chaltén, Wanderparadies mit besten Wettervorhersagen

Na ja, kurz ausgebremst: meine gebuchte Unterkunft bei Airbnb weiß nichts von meiner Ankunft und hat auch kein Zimmer frei. Da ist was schief gegangen… kurz entschlossen, geht es zum nächsten Campingplatz. Wozu habe ich sonst mein Zelt mitgenommen, und das Wetter soll ja gut werden.

Alles passt, allerdings fällt mir nachts um halb eins fast das Zeltdach vom Kopf. Die Disko mitten im Dorf hat die Mucke voll aufgedreht und die Fete geht bis morgens früh um 4 Uhr. Wenn das schon donnerstags nachts so ist, läßt das auf nichts Gutes hoffen. Den Freitag lasse ich verstreichen, ein bisschen Ankommen ohne viel Aktion, das Wetter soll ja erst am nächsten Tag wirklich gut werden.

Laguna de los Tres und Fitz Roy

Am Samstag also geht es los zur Laguna de losTres mit Blick auf den berühmten Fitz Roy. Ich gehe noch in der Dunkelheit los mit Stirnlampe. Ich will unbedingt den Sonnenaufgang am Mirador Fitz Roy erleben. Natürlich ist wieder Feierstimmung in der Dorfdisko, die lasse ich schnell hinter mir und nach kurzem Spaziergang durchs Dorf bin ich auch schon am Ausgangspunkt der Wanderung. Jetzt geht es leicht und stetig bergan. Mit der Stirnlampe läßt sich der Weg gut machen, ohne wäre ich aber wohl nicht gut weggekommen. Es wird heller und ich nähere mich dem Mirador. Es ist 6.30 Uhr und ich bin angekommen. Noch fünf andere Frühaufsteher erwarten mit mir den Sonnenaufgang, sie sind aber vom nahen Campingplatz herüber gekommen.

Die Sonne kommt und scheint auf den tatsächlich wolkenfreien Fitz Roy. Welch ein Anblick!!! Genuss pur

Nach einer Weile senkt sich das Rot auf den Felsen und ich stratze weiter, jetzt eher auf einem ebenen Pfad, der jede Möglichkeit, sich zu verlaufen, ad absurdum führt. Und dann sehe ich den Fitz Roy nochmal in einem besonderen Licht: er ist plötzlich und auch nur kurz in leuchtendes goldgelb getaucht. Wow

Weiter gehts und dann nach ca. 3 Stunden auch ins Eingemachte. 400 Höhenmeter müssen erklommen werden. Der Weg ist allerdings besser, als ich befürchtet hatte und auch mit meinen normalen Wanderschuhen gut machbar. Mir kommen einige Wanderer z.T. Mit Sektflaschen entgegen. Sie haben den Sonnenaufgang direkt an der Lagune erlebt, kamen aber vom Campingplatz direkt unterhalb des Anstiegs.

Und dann bin ich da. Erstmal auf eienr Anhöhe und später direkt am See. Der Ausblick ist fast nicht zu verdauen. So schön kann es auf der Welt sein. Ein Erlebnis, das ich nicht vergessen werde.

Nach ca. 1 1/2 Stunden mache ich mich auf den Rückweg. Jetzt wird es schwieriger, nicht der Weg, sondern die Menschen, die mir in Scharen entgegen kommen. Wer hat ihnen gesagt, dass sie mich mit ihren Stöcken aufspießen sollen??? Warum muß man diese Dinger nutzen, um sich den Weg freizukämpfen? Ich weiche immer wieder aus, aber irgendwann bin ich doch einigermaßen sauer, dass es Gruppen gibt, die offensichtlich meinen, sie hätten eine automatische Vorfahrtsberechtigung. Was fällt denen bloß ein?

Egal, ich will mir den Tag nicht verderben lassen. Die Aussichten bleiben an verschiedenen Stelle sensationell und der Rückblick auf den Fitz Roy ist immer wieder schön. Ich nehme diesmal am Ende einen anderen Weg entlang eines Sees und dann endlich bin ich nach 22 km wieder in El Chaltén. Ein ganz großer Tag!

Der nächste Tag ist dem Muskelkater gewidmet. Aber das ist nur eine Kleinigkeit, die den Genuss vom Vortag nicht mindern kann.

Cerro Torre

Es fogt der dritte Tag mit Superwetter. Diesmal soll es zum Cerro Torre gehen. Wieder losgehen um 5 Uhr mit Stirnlampe. Vor dem Einstieg dann ein kurzes Verlaufen, aber da ist sschon das Schild zum Wanderweg. Ein kleiner steiler Anstieg und: Mist!!! Die Wade ist gezerrt. Was mache ich jetzt. Zurück? Ich versuche, humpelnd weiter zu gehen. Immer im Blick, dass ich so auch den Rückweg noch schaffen kann. Es wird etwas besser, wenn ich den Fuß seitlich aufstelle, aber so richtig sicher kann ich mich nicht bewegen. Schritt für Schritt geht es weiter, heute, anders als vorgestern direkt über Stolpersteine und unwegsames Gelände, immer noch mit Licht von der Stirnlampe. So richtig sicher fühle ich mich nicht. Und dann kommen auch so Gedanken wie: gibt es hier nicht auch Pumas? Es knackt irgendwo, aber natürlich passiert nichts außer in meinem Kopf.

Um 6.30 Uhr bin ich wieder an einem Mirador, heute alleine, und nach kurzer Zeit kommt die Sonne und scheint auf das Massiv mit Cerro Torre. Wieder sensationell!!! Ich genieße und reibe nebenbei meine Wade, die sich allmählich etwas entspannt.

Also geht es weiter. Leicht bergab und dann am Rande eines Flussbetts mehr oder weniger auf ebener Fläche. Ein wenig Genusswandern…

Nach 3 Stunden bin ich am Ziel, eine Lagune mit Blick auf Cerro Torre und mit verschieden geformten Eisstücken vom Gletscher im See. Einfach nur schön alles anzusehen.

Eine Stunde verbringe ich hier und dann geht es wieder zurück, wieder gegen den Strom der Spätaufsteher, die sich den Platz auf dem Weg mit ihren Stöcken freistechen. Ich frage mich, ob manche wohl hoffen, den Berg vor sich zerkleinern zu können, so hacken die in die Steine.

Wieder bergan zum Mirador, heute wirklich in der gleißenden Sonne und mit kleinen Schlucken Wasser aus der Flasche. Und dann geht es nochmal zurück bergab über die Stolpersteine. Die Wade hat durchgehalten. Aber sie wird die nächsten Tage Schonung brauchen.

Tja und so ist es denn auch und eine Magen-/Darminfektion macht es nicht leichter, mich vom Fleck weg zu bewegen. Aber das Wetter schlägt auch um. Erst mit mehr Wind und dann kommen auch die Wolken wieder. Hat also genau gepasst.

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